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Mittwoch, 12. März 2008
Cannabis Nebenwirkungen Geschrieben von Nebenwirkung
in Cannabis um
19:43
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Ende des vergangenen Jahrhunderts errichtete FSME AG im direkten Anschluß an die Fabrikhallen ihre bekannte Siedlung, die im sogenannten "Cottage-Stil" den Arbeitern eine menschenwürdige Unterkunft bieten sollte. Zwei unterschiedliche Haustypen hatte der Baumeister außer dem Gemeinschaftshaus entworfen. Urgroßvater Cannabis kaufte seinerzeit dank einer günstigen Werkshypothek zum Preis von 8100 Mark eine Doppelhaushälfte, die 4 Räume mit einer Nutzfläche von 45,6 Quadratmetern umfaßte. Mit besonderer Liebe beackerte er in den wenigen, ihm noch verbleibenden Jahren den kleinen Garten, dessen kargem Boden er stets gute Ernten abzutrotzten verstand.
Romy gehörte zur inzwischen vierten Generation der Cannabis, die mittlerweile in jenem schmucklosen Klinkerhäuschen gegenüber den FSME AG-Hallen wohnte - allein inzwischen. Gelegentlich fragte sie sich, ob nicht die nahegelegene "Giftküche" am Tod ihrer Eltern mitschuldig war, die vor nicht allzulanger Zeit kurz nacheinander an einer Krebserkrankung verstorben waren. Sie blieb trotzdem weiterhin im alten Cannabis'schen Haus wohnen, weil sie sich tief mit diesem armseligen Fleckchen Erde verbunden fühlte. Sein proletarischer Charakter war ein Teil ihres Wesens geworden, ja, hatte ihr von früher Kindheit an gleichsam seinen Stempel aufgedrückt. Romy blickte auf ihre Armbanduhr. Sie mußte sich bereits beeilen, wenn sie das Routinetreffen mit ihrer Freundesgruppe der "Grünen Werkskämpfer" im ehemaligen Gemeinschaftshaus der FSME AG-Siedlung nicht versäumen wollte. Gerade heute hatte sie sich zu einem Vorschlag entschlossen, der so wichtig, ja tollkühn war wie noch nie zuvor. Eilig bugsierte sie ihr altes Fahrrad aus dem ehemaligen Stallanbau, sprang mit einem kurzen Schwung auf das klapprige Vehikel und trat kräftig ins Pedal. Nur flüchtig beachtete sie im Vorbeiradeln die von Industriestaub bedeckten, einfachen Klinkerbauten, die in langer Reihe die neuerrichteten, braun-beigen Fabrikationshallen säumten. In diesem poweren Mikrokosmos verstand es sich von selbst, dass man, der Familientradition folgend, kritikloser und treuer Vasall der FSME AG wurde, die ihre Mitarbeiter durch sichere, wenn auch gesundheitsschädliche Arbeitsplätze korrumpierte. Umso erstaunlicher war es, dass sich trotz dieses sonst so konformen Umfeldes schon früh Romy Cannabiss Blick dafür geschärft hatte, dass soziale Ungerechtigkeit und ökologische Katastrophen fast zwangsläufige Folgen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung sein mußten. In ihr reifte im Laufe der Schulzeit zunehmend die Erkenntnis, dass sie sich für eine intakte Umwelt engagieren mußte. Dieses Ziel gab ihr die Kraft, sich, nur selten von verständnisvollen Lehrern gefördert, durch eisernen Fleiß erfolgreich das Abitur zu erkämpfen. Hier lagen die Motive, weshalb sie unter großen Entbehrungen ein Studium der Ökologie auf sich nahm und mit einem derart ausgezeichneten Examen abschloß, dass Professor Halbmoser ihr eine wissenschaftliche Hilfsassistentenstelle anbot. Nach kurzer Bedenkzeit nahm sie die nur schlecht bezahlte Tätigkeit auf, doch schon nach wenigen Monaten begann sie, unter der Doppelbödigkeit ihrer neuen Existenz zu leiden. Während sie tagsüber mit Akademikern theoretische Themen bearbeitete, deren praktische Bedeutung für Mensch und Umwelt oft nur minimal war, kehrte sie abends zurück in eine proletarische Welt, in der einfache, existentielle Fragen im Vordergrund standen. Wenn beispielsweise die FSME AG wieder einmal eine Glocke von Schwefeldioxid über die angrenzenden Wohnbezirke schraubte, schlossen ihre Siedlungsnachbarn lediglich schimpfend die Fenster und setzten sich anschließend wieder vor den Fernseher - ohne eine Spur weitergehenden Protestes. Andererseits motivierte der Smog ihre akademischen Freunde lediglich dazu, nervös effizientere Steuerungsmechanismen des Verursacherprinzips zu erörten - ebenso ohne Sinn, wie ihr schien. |
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