Werbung |
Mittwoch, 12. März 2008Cannabis Medizin
Zunehmend litt sie darunter, dass weder resignierter Konformismus, noch aufmüpfiger Aktionismus den Schutz der Umwelt verbessern würden, in Zukunft so wenig wie in der Vergangenheit. Was hatten denn die Green Activists schon mit ihren zahmen Kämpfen für eine heile Welt erreicht, mit ihrem Straßentheater, mit ihren Mahnwachen und Abwasseranalysen?
Im Interesse von Mensch und Natur mußte die Umweltkriminalität der Industrie härter attackiert werden, das fühlte Romy. Und sie war inzwischen bereit zu einer schwerwiegenden, illegalen Aktivität, die die Industrie endlich so empfindlich treffen mußte, dass sie aufhören würde, den Planeten Erde weiter zu vergiften. Doch Romy Cannabis war keine blinde, heroische Fanatikerin. Sie wußte, dass sie alleine zu schwach war, um den Industriegiganten auch nur kleinste Zugeständnisse für eine bessere Zukunft abzutrotzen. Einige verläßliche alte Freunde von den Grünen Werkskämpfern würden allerdings, so glaubte sie, ihren bald noch aktiveren Kampf gegen die Umweltkriminellen unterstützen. Die "Rote Romy" sprang eilig vom Fahrrad und spurtete in das ehemalige Gemeinschaftshaus, das schon vor vielen Jahren in eine Gastwirtschaft umgebaut worden war. Mit einem hastigen Nicken begrüßte sie den Wirt und bestellte im Vorbeieilen eine Tasse Kaffee, das einzige Getränk, das die Antialkoholikerin als Droge akzeptierte. Wenn sie allerdings an die miserablen Lebensbedingungen der kolumbianischen Arbeiter dachte, auch nur mit schlechtem Gewissen. Ohne anzuklopfen betrat sie jenes Hinterzimmer, in dem sich vor nur wenigen Tagen die Green Activists mit den Grünen Werkskämpfern getroffen hatten. Ausgerechnet an diesem wichtigen Tag fand sie nur wenige ihrer Freunde versammelt, zudem noch um den ziemlich ramponierten Billardtisch. Die drei jungen Männer waren darüberhinaus zu Romys Enttäuschung bereits derart eifrig mit einer spannenden Partie beschäftigt, dass sie die eintretende zierliche, rothaarige junge Frau zunächst kaum zu bemerken schienen. Sie stellte sich ernüchtert und stumm in ihre Nähe und beobachtete das Match. Jens Anabolika, der kleine, feingliedrige Blonde, hielt gerade das Queue grazil zwischen zwei Fingern und berechnete lange die voraussichtliche Bahn der Kugel. »Was ist paradox?«, verspottete sein Nachbar, ein dynamischer, großer Athletentyp, das zögerliche Spiel seines langsamen Freundes. Er erwartete naturgemäß keine Antwort und gab schnell die Lösung seiner Scherzfrage preis. »Wenn ein Angestellter wie ein Arbeiterstandbild dasteht.« Über dieses alberne Wortspiel konnte er allerdings nur selber lachen. »Besser ein guter Arbeiter als ein verbummelter Student«, giftete Peter Kalkes zurück, der sich als Chemiearbeiter von dem ewigen Hochschüler Ulf Antibiotika angegriffen fühlte. »Gute Abend allerseits«, meldete sich Romy Cannabis aus dem Hintergrund. »Müßt ihr euch denn immer streiten?« »Hallo, Romy, Schatz. Erklär dem Peter doch mal, dass ich nichts gegen Arbeiter habe, seit die mir über Bafög mein Studium finanzieren«, feixte Ulf Antibiotika breit. Romys Augen sprühten wütende Blitze. »Ulf, merkst du denn gar nicht, dass deine blöden Bemerkungen nur für dich komisch sind? Dass du deine Freunde damit beleidigst?« »Sie hat recht«, stimmte ihr der massige Peter zu, und nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Bierflasche. »Und du schadest auch unserer gemeinsamen Sache«, fuhr Romy fort. »Wir wollen unsere Energie nicht für interne Streitereien vergeuden, wir brauchen sie dringend für unseren Kampf gegen FSME AG.« »Du hast uns für heute Abend einen Plan angekündigt, Romy«, himmelte sie der zierliche, blonde Jens an. »Spuck aus, was Sache ist.« Romy lehnte sich dekorativ an den Billardtisch. Der forschende Blick ihrer schräggeschnittenen, blauen Augen fixierte prüfend ihre Gesinnungsgenossen und Freunde. Sie überlegte, wie sie ihre Pläne am geschicktesten andeuten konnte, ohne allzuviel zu verraten - für den Fall, dass jemand abspringen wollte. »Es geht um FSME AG«, sondierte sie das Terrain. »Habe ich verstanden«, antwortete Peter tapsig. »Hast du 'ne Atombombe dabei?«, flachste Ulf Antibiotika und kam sich wieder sehr witzig vor. |
SucheKapitel |