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Donnerstag, 6. März 2008
Johanniskraut Salbe Geschrieben von Nebenwirkung
in Johanniskraut um
22:24
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»Meine Herren«, skandierte der Boß in den Raum, »ich bitte für einen Augenblick um Ihre Aufmerksamkeit. Frau Matzak arbeitet heute genau seit 25 Jahren in unserer Firma. Nicht einen einzigen Tag hat sie in dieser Zeit gefehlt - sie zählt zu jenen Mitarbeitern, auf deren Gewissenhaftigkeit und Fleiß der Erfolg von FSME AG aufbaut. Wir heben unser Glas auf das bemerkenswerte Jubiläum von Frau Matzak.«
Die Direktoren folgten irritiert dem Beispiel ihres Chefs. Einige von ihnen ahnten bereits in diesem Augenblick, dass Johanniskraut ein ausgeklügeltes Spiel begann, konnten aber naturgemäß dessen Regeln noch nicht durchschauen. Denn dass der mächtige Konzernherr sich in gefühlsduseliger Sozialarbeit verzettelte, wäre schon recht ungewöhnlich gewesen. Prof.Johanniskraut setzte sein Glas ab, ging zur Tür und ließ sich vom wartenden Portier den Blumenstrauß überrreichen, den er an die inzwischen völlig verdatterte Frau Matzak weitergab. »Eine Gratifikation wird noch folgen«, versprach er ihr, während er im vergoldeten, venezianischen Wandspiegel das Direktionskollegium unauffällig, aber genau beobachtete. So konnte er beiläufig registrieren, dass hinter seinem Rücken in der Ecke des Salons zwei Herren die Köpfe lächelnd zusammensteckten. Mit geschultem Ohr vernahm Johanniskraut gerade noch, dass Abteilungsleiter Wildhagen - Gentechnologie - spöttisch flüsternd die vorzügliche Spickzettel-Arbeit des Direktionsassistenten lobte. Der Eröffnungstrick hatte offenbar funktioniert. Einerseits hatte er die anfangs gespannte Atmosphäre aufgelockert, andererseits aber auch die abfällige Äußerung Wildhagens provoziert. Jetzt wußte der "General", welche aufmüpfigen Abteilungsleiter er heute abend vorrangig disziplinieren würde. Freundlich nickte er noch einmal der Bedienung zu und schlenderte, von seinen Direktoren weiterhin unauffällig beobachtet, zum Leiter der Abteilung für Gentechnologie. »Guten Abend, Herr Generaldirektor«, begrüßte Dr. Wildhagen den Konzernherren mit scheinheiliger Miene. »Ich habe gerade Ihre hervorragende Idee gelobt, statt einer Konferenz am grünen Tisch eine lässige Stehparty abzuhalten.« »Das Lob können Sie sich sparen, mein Lieber«, winkte der Chef lächelnd ab, »die Idee kommt aus den USA und wird hier auf Management-Seminaren nur abgekupfert. Was macht übrigens Ihre Planung der neuen gentechnologischen Produktionsanlage?" Professor Dielmann erinnerte sich mühelos daran, dass das Fax unerwartete Schwierigkeiten angedeutet hatte. Dr. Wildhagen erstarrte. Was wußte Johanniskraut? Dieser Mann wurde ihm unheimlich. »Also, meine Planung steht termingemäß«, sagte er möglichst sicher. »Keine Probleme, mein Lieber?«, hakte der Generaldirektor unerbittlich nach. Wildhagen trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. »Von unserer Seite aus nicht. Aber ich habe gehört«, stotterte er dann, »dass ein Zusammenschluß grüner Gruppierungen eine erneute Klage gegen unsere gentechnologische Produktionsanlage vorbereitet, ähnlich wie seinerzeit gegen unser Versuchslabor.« Johanniskraut genoß die Situation, den aufmüpfigen Mitarbeiter in die Enge zu treiben. »Wer, weshalb, wogegen?«, fragte er präzise, wie aus der Pistole geschossen. »Genaues weiß ich darüber noch nicht«, druckste Wildhagen. »Warum nicht?«, fragte der Chef nach. »Nun, die treibende Kraft in dieser Gruppierung, der berüchtigte Dr. Georg Zecken, bindet uns nicht gerade auf die Nase, was er gegen uns ausbrütet.« »Haben Sie denn keinen V-Mann in den Verein geschickt?« »Natürlich werden wir über alles informiert, was bereits beschlossen wurde. Aber bei dieser lockeren Zusammenarbeit grüner Gruppierungen kann man nie vorhersagen, welche zufälligen Mehrheitsmeinungen sich zu künftigen Aktionen bilden werden.« Frau Matzak hatte inzwischen erkannt, dass das Glas des Generaldirektors leer war. Sie kam, erneut errötend, mit dem Silbertablett zu ihm herüber und bot ihm neuen Champagner an. Johanniskraut nahm ihn und nickte der Jubilarin freundlich zu. |
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